Archives

Sie betrachten das Archiv für November 2013

18 November 2013

Ghana

24. Oktober bis 8. November 2013

Wieder mal eine Grenze: Au revoir Côte d´Ivoire — und dann hören wir „You are welcome in Ghana“.

Zwischenzeitlich mehren sich die nächtlichen heftigen Kopfschmerzen und Schwitzattacken bei Karin. Frührere Erfahrungen aus Kenia lassen nichts Gutes erahnen. Tatsächlich: Der Malaria-Schnelltest im Krankenhaus ist positiv. Zum Krankenhaus führten uns zwei Frauen, die in Sachen Gas- und Erdölförderung vor Ghanas Küste mit der Vermittlung der Interessen der Fischer und der Konzerne in einem Forschungsprojekt befaßt sind. Sie begleiten uns auch zur Apotheke. Mit dem Medikament „Lonart DS“, einem indischen Produkt im Gepäck, erreichen wir Bosua an einem der schönsten Küstenstreifen und bestem Surfrevier Ghanas. Alaska Beach Hotel bot auch einen idealen Campsite.
Allein die Malaria und Bekämpfung selbiger hielten uns vom Genuß der schönen Lokation ab: Kein Schwimmen in der Brandung, keine Fotos, nur Schwitzen und Abhängen . . .
Kaum geht es Karin besser, wird Uli zum Malariatest geschleppt — positiv!
Ulis Zustand ist so schlecht, daß wir umziehen, weg von der feuchten Küste, etwas nördlich von Cape Coast in „Hans Cottage Botel“.
Malaria-FanPerspektive eines Malariakranken

Fünf Tage bleiben wir dort, Genesung schreitet fort, Restaurant und Swimmingpool beginnen wieder Spaß zu machen. Für Gespräche mit anderen Gästen finden wir wieder Interesse: Eine Augenärztin aus Nigeria berichtet begeistert von ihrer Heimatstadt Lagos, ein Oldenburger desillusionierter „Afrikaner“ in ihrer Begleitung sagt, er würde da nie wieder hinfahren.

Wir sind wieder fit, wenngleich noch etwas "schlapp" — das Interesse an Fotoaction noch nicht wieder erwacht — starten Richtung Accra, übernachten in „Big Millies Backyard“, ein Strandresort; müssen ein Hüttchen nehmen, für Camper ists eher ungemütlich, Baustelle!

Am nächsten Tag erreichen wir Accra, fahren gleich zur Botschaft Togos und beantragen unsere Visa. Die gibt es normalerweise am nächsten Tag. Der nächste Tag ist in diesem Fall Freitag und „Allerheiligen“, auch in Togo ein Feiertag: Botschaft geschlossen.

Also beginnen wir gleich unser ganz langes Wochenende mit dem Ziel „WLI Waterfalls“ in der Nähe von Hohoe.
Wir erreichen „Aylos Bay Resort“ am Voltastausee, ein Zwschenstop, campen dort, sind eher ernüchtert über den Platz.
Aylos CampSite!Buschtaxi im Aylos Camp

Die Weiterfahrt ist eher ein „potholesurfen“, das Ziel „Waterfall Lodge“ entschädigt für alles.
Wir campen in einer tropisch grünen Anlage auf richtigem Rasen, andere Reisende, die wir trafen, würden es mit breitem Grinsen als „disgustingly clean“ bezeichnen.
Waterfall Lodge CampSite

Die kleinen Bungalows sind regelmäßig ausgebucht mit Gästen aus ganz Europa, unaufdringlich aber aufmerksam umsorgt von Sabine und Bernhard.
Von der Lodge aus sind schöne Wanderungen zum und rund um den Wasserfall, dem höchsten Ghanas, möglich. Die täglichen heftigen Gewitterschauer (Regenzeit ist seeehr spät dran) stören uns kaum.
Zum Wasserfall: MaisfeldBegegnung . . .. . .  auf dem Weg zum Wasserfall
Blick auf den Wasserfall . . .. . . von der Lodge aus
An den unteren Fällen. . . !

Hohoe ist eine quirlige kleine Stadt mit regem Markttreiben, wo auch Sabine und Bernhard für die Küche der Lodge einkaufen. Wir begleiten sie dorthin, können dort auch eine SIM-Card kaufen und WiFi nutzen.
Hohoe: MarktHohoe: MarktHohoe: Markt
Hohoe: FleischmarktHohoe: Fleischer

Zurück in Accra holen wir unser Togo-Visum ab und besuchen dann neugierig das Goethe Institut, das gleich um die Ecke im Viertel der diplomatischen und wirtschaftlichen Vertretungen und der Reichen und Schönen liegt.
Wir fragen dort nach einem Tipp für eine Unterkunft und können unser Glück kaum fassen: Das für zwei Nächte freie Gästezimmer des Goethe Institut wird uns angeboten. Auch der Institutsleiter freut sich, ZEIT lesende Gäste zu haben, die sich wiederum bei Erdinger Weißbier und Kartoffelsalat wie zu Hause fühlen. Die erholsame Ruhe des Hauses — eine echte Parallelwelt — bereichernde Gespräche, Infos, Wasser, Strom, Internet waren Gold wert.
Im Hof des Goethe-InstitutBayern in Accra

Zu Ulis Geburtstag genehmigen wir uns einen echten Cappuchino samt Zitronentörtchen in der „Accra Mall“. Unerfindliche Gründe halten Uli davon ab, bei „Shoprite“ eine Flasche „KWV Brandy 10 Years“ für moderaten Preis zu erstehen, der letzten Möglichkeit vor RSA oder Namibia.

Am späten Nachmittag finden wir uns im Gewühl der Grenzstädte Aflao-Lomé wieder. Die Ghana-Ausreise: ein wenig wie Schnitzeljagd, letztendlich korrekt.
Auf der Seite Togos gab es kurz Verwirrung, weil das Togovisum nicht im selben Paß wie das Ghanavisum war. Nervend wieder mal die Carnet-Behandlung. Der Chef der togolesischen Zollbehörde im feinsten Zwirn (keine Uniform) hatte seine Untergebenen so unter der Knute, daß die zu keiner eigenen Entscheidung fähig waren, aber mit unserer Hilfe fanden alle Stempel ihren Platz.

Nun sind wir in Togo — same same but different!

17 November 2013

Côte d’Ivoire — kein Elfenbein mehr, aber alles Banane!

19. Oktober bis 24. Oktober 2013

BananenplantagenBananen für den Export

Die Einreise nach Elfenbeinküste vermittelte auch das Gefühl, willkommen zu sein. Die Beamten sind richtig zugewandt.
Der Zollchef delegierte die Bearbeitung des Carnet großzügig an einen Untergebenenen, nachdem er selbst nicht das Kleingedruckte lesen konnte.
Die Piste bis Danane ist unverändert katastrophal, wie noch auf der Seite Guineas, landschaftlich aber sehr abwechslungsreich.
Durchs Überschwemmungsgebiet

Am letzten Roadblock vor der Stadt schließen zwei Motorradfahrer auf: Wir trauen unseren Augen nicht, es handelt sich um Gilles, mit dem wir von Westsahara bis Mauretanien zusammen gereist sind und Marco aus Österreich. Die Freude und Überraschung ist groß, und wir verbringen bei Huhn mit Gemüse und Bier den Abend, der spät wurde wie schon lange nicht mehr.
Endlich akzeptable Flaschengrößen<1Marco aus Österreich
Marco hat mit seiner Yamaha in 134 000 km fast die ganze Welt bereist; er ist taubstumm, ein genialer Kommunkitator mit geradezu unheimlicher sozialer Kompetenz.
Gilles und MarcoTropenholz: Ausverkauf!

An den Roadblocks werden wir durchgewunken, und nur die vielen Blauhelm-Camps an der Strecke von Man bis Yamoussoukrou zeigen, daß die Lage nicht so ruhig ist, wie wir sie wahrnehmen.

Von der Stadt Yamoussoukrou sehen wir als erstes schon von weitem die Nachbildung des Petersdoms in Rom, größer als das Original, eine Orgie aus Beton und Marmor, ein Geschenk des ehemaligen Präsidenten der Elfenbeinküste, F. H.-Boigny, an sein Volk. Ein trostloser, toter Ort.
DomsurrogatDom total

Ganz anders die Stadt selbst.
Yamoussoukro: ZeitungsstandMaggi international
HommesWastebin
Touristen in Yamoussoukro: Gilles, Marco, KarinSupermarkt in Yamoussoukro

Abidjan heißt die nächste Station, die wir allerdings nur auf Schnellstraße und Stadtautobahnen durchqueren, um etwas außerhalb in einem ehemaligen Campsite („Cocotiers“) einen Platz für die Nacht zu finden.
Die alten Overlander-Campsites gibt es mangels Nachfrage nicht mehr, wie zum Beispiel „Lions Rest“ oder „Cocotiers“, das heute ein Bungalow- und Musikveranstaltungs-Gelände ist.
Strand vom Camp in AbidjanAbidjan: StadtrandAbidjan: Smog
Gilles und Marco bleiben dort für ihre Visa-Geschäfte, und so trennen sich unsere Wege mal wieder.

In Grand Bassam, einem alten Kolonialstädtchen, führt die ehemalige Betreiberin von „Cocotiers“ nun ein kleines Hotel, in das wir eher zufällig geraten. Sie ist so begeistert Overlander zu treffen, die zudem in ihrem ehemaligen Platz logierten, daß sie uns einen Rabatt gewährt.
"Unser" HotelSammlung zeitgenössischer Kunst im Hotel
Strand Gr. BassamStrandleben Gr. Bassam

Am nächsten Tag zur Grenze Richtung Ghana: Problemlose Ausreise – au revoir Côte d’Ivoire!

09 November 2013

Guinea — die positive Überraschung

12. Oktober bis 19. Oktober 2013

Guinea - sympathisch relaxt

Mit gemischten Gefühlen nähern wir uns den Guineischen „Grenzorganen“; die wenigen, sehr alten Reiseberichte lassen Erinnerungen an die Gepflogenheiten von vor 20 Jahren im Transit von Westberlin nach Westdeutschland aufkommen.
Die verschiedenen Abfertigungsstellen liegen sehr weit auseinander: Zuerst Paßkontrolle durch Polizei mit handschriftlicher Aufnahme aller Personal- und Autodaten, dann Immigration mit Visa-Kontrolle und Erteilung des Einreisestempels in die Pässe.
Fünfzehn km weiter folgte der Zoll mit Carnet-Abwicklung, nochmalige Kontrolle durch eine Art Miliz; die letzte Kontrolle ein paar Meter weiter (Militär?), wollten noch ein Laissez passer sehen, kannten offenbar das Carnet nicht; auch Zusatzdieseltank und Wassertank produzierten fragende Falten auf Grenzerstirne.
Jedoch: Alles in allem waren wir in zwei Stunden durch, alles freundlich abggehandelt, keine Forderungen nach cadeaux – immer „bonne route!“

Wieder auf bester Straße über Koundara bis Kifaya unterwegs – dann endet wie abgeschnitten der Asphalt im Wasser.
null
Die Piste wird rechts und links von dichtem tropischen Bewuchs eingeschlossen, wie ein grüner Tunnel. Da wo sich die Landschaft weitet dehnen sich Wasserflächen.

Wir sind zusammen mit vielen Taxen, noch mehr Motorrädern und einigen Lastwagen auf der Nationalstraße 5 unterwegs.
Unerschrockene TaxifahrerUnerschrockene Taxipassagiere
Die Taxen, fast ausnahmslos Peugeot Kombis, wurden für ihre immense (Über-)Ladung mit erhöhter und verstärkter Achse versehen.
Sie fahren alle schneller als wir, nur einen müssen wir aus einem Wasserloch herausziehen.

Ein paar Kilometer nach der Fähre finden wir gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit eine der so seltenen trockenen Stellflächen, nur wenige Meter neben der Piste. Es regnet nicht(!), der Mond scheint; wir lauschen noch lange den nächtlichen Urwaldgeräuschen. Die vorbeiwandernden Dörfler kümmern sich nicht um uns.
BushCamp

Nach 220 km anstrengender Piste erreichen wir Labé, das Zentrum des Fouta Djalon, 1200 m hoch gelegen.

Labé: MoscheeLabé: Motorräder en masse
LabéLabé
LabéLabé

Magic Photo

Coiffeur in Labé. . . Festtagsfrisuren fürs "Tabasci-Fest"

IT-Junkies auf Tankstelle in LabéE-Tankstelle in LabéTankstellen-Watchman mit besonderen Qualitäten!

Die Stimmung in dem Städtchen erscheint entspannt, das Hotel „TATA“ bietet Campingmöglichkeit mit sauberer warmer Dusche, das Restaurant serviert Pizza, die den Namen verdient!
Hier treffen wir mal wieder „Overlander“, die aus Süden kommen:
Barry aus Südafrika, Erik und Jeon aus Nigeria; wir wiederum sind die ersten Overlander, die sie aus dem Norden kommend kennen lernen. Wir alle sprudeln vor Erlebnissen und Eindrücken über; manchmal erschlägt uns die Informationsflut fast.

Über Mamou, Kissidogou und Nzérekoré geht es weiter Richtung Elfenbeinküste.
In KissidougouKissidougou: Hotel MandelaKissidougou früh morgens

Die N2 erinnert dann ab Lola wieder eher an einen Truppenübungsplatz.
Nationalstraße 2Bambuswald in Waldguinea
Vermutlich werden wir noch lange Bambuswälder mit Schlammlöchern assoziieren; kaum zu glauben, daß dieses die Hauptverbindungsstraße zwischen zwei Staaten ist.
SekundärwaldTypische Begegnung

Zwei Lehmunterstände markieren den Grenzposten von Guinea; flott und ohne Fiesematenten können wir ausreisen.

09 November 2013

Senegal

1. Oktober bis 11. Oktober 2013

Von der Grenze bis St. Louis sind es nur 30 km. Die kleine Kolonialstadt begrüßt uns mit viel Gedrängel, Myriaden von Taxis und hin und her flitzenden Motorradfahrern sowie tropischer Schwüle.
Sammeltaxi in St. Louis

Wir freuen uns, in der luftigen Brise in der Zebrabar erholsame Tage verbringen zu können. Das Camp ist schon seit vielen Jahren ein beliebter Overlander-Treffpunkt.
Die Zeit vergeht im Fluge mit Schwimmen, Lesen, Dösen, vielen Gesprächen und den üblichen Camperhaushaltsverrichtungen.
Zebrabar: Sollte ursprünglich Pelikanbar heißen . . .Zebrabar: Unser Campsite
An der Lagune bei St. LouisSalzgewinnung bei St. Louis
Erst für Abfall gehalten stellte sich später heraus: Das sind abgedeckte Salzhaufen!

Marktszenen bei St. LouisMarktszenen bei St. Louis

Dann ziehen wir noch für ein paar Tage zu dem neu errichteten Camp „7Palava“ von Christine und Sven um. Die beiden sind erst seit kurzem hier seßhaft und berichten uns besonders begeistert von Guineas Land und Leuten, insbesondere dem Fouta Djalon: Unser nächstes Ziel.

Auf dem Weg zum Lac Rose vor Dakar frisst ein ATM Karins VISA Karte. Der Schreck ist groß, aber nach zwei Stunden rückt der Apparat die Karte mit Hilfe der autorisierten Bankangestellten, die inzwischen einegetroffen sind, unverdaut wieder raus!
Am Lac Rose erwarten uns Stina und Turi, zwei Reisende aus der Schweiz bereits. So lernen wir unsere eMail-Bekanntschaft doch noch kennen und bedauern von Herzen, daß wir mit den beiden nicht wenigstens einen Teil der Strecke fahren können – sie sind noch eine Weile mit Familienbesuch bespaßt.

Unsere nächste Etappe führt uns nach Südosten Richtung Guinea, die Katholische Mission in Kaolack bietet ein Camp auf dem Hof an, freut sich neben dem üblichen Obulus über von uns überlassene Kleidung.
Mission von KaolackMission in Kaolack

Am späten Nachmittag des 11. Oktober erreichen wir bei tropischem Gewitterregen, es gießt wie aus Kübeln und ist schon so dunkel wie sonst erst um neunzehn Uhr, die Grenzstation von Senegal nach Guinea bei Linkiring.

Camp an SenegalgrenzeUnsere Rückendeckung . . .
Wir sind heilfroh über die Erlaubnis der Grenzbeamten, nach den Formalitäten direkt vor dem Posten auf der Straße campieren zu dürfen, kuscheln uns an den Magnum-LKW eines Spaniers.
Am nächsten Morgen: Run auf die geöffnete Grenze Senegals

Strahlender Sonnenschein erwartet uns am nächsten Morgen.
. . . km bis Guinea!
Auf bester Teerstraße rollen wir die 35 km bis zum Grenzposten von Guinea, vorbei an Baobabs, die wir so üppig belaubt noch nie gesehen haben.
Baobab im Süden Senegals