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22 Januar 2014

Gabun: Spagat zwischen Petrodollar und Albert Schweitzer

28. Dezember 2013 bis 10. Januar 2014

Durch bergige Waldlandschaft mit Kurven, die jedes Motorradfahrerherz höher schlagen lassen, geht es auf den Nullmeridian zu. Wir errreichen den Äquator kurz vor Ndjole und begießen das Ereignis mit unserer letzten Flasche „Gazeuse“ aus Benin.
nachgereicht, Dateinamen ohne dt Umlaute
Wo´s langgeht . . .. . . nach LambarénéBegegnung on the Road

In der leicht desolaten Katholischen Mission in Ndjole campen wir.
Ndjole Mission . . .. . . der Priester kam mit "Hummer"

Der Albert-Schweitzer-Komplex in Lambaréné ist von anderem Kaliber. Wir nehmen ein Zimmer mit AC – ein wenig Luxus ist an der Zeit, und wo sind 20 000,– CFA besser angelegt, als bei der Albert-Schweitzer-Foundation?
Die historische AnlageFriedhof in LambarénéAlbert Schweitzers Grab
Unser Hotelzimmer am OgoouéBesser als Dachzelt?Blick auf den Fluß

Statt Sylvesterkarpfen soll es Pizza geben, doch Lambarénés Restaurants können nicht liefern: Kein Käse verfügbar. So bleibt es bei Spaghetti und ordentlich kaltem Bier, der Abend mit den Hannoveranern (die wir schon aus Marokko kennen) und Gilles ist gerettet.

Am Neujahrstag verabschieden sich Gilles und die Hannoveraner Richtung Republik Kongo. Ihre Eile ist verständlich, müssen sie doch noch ihre Angola-Visa organisieren.
Wir bedauern, nicht mit ihnen fahren zu können: Leider ist unser Visum für die Kongos erst ab dem 10. Januar gültig.

Hat auch sein Gutes: Lambaréné erfreut mit Stadtleben und leidlich schnellem Internet-Café.

ImpressionenMarktstandWerbewirtschft boomt

Wir hingegen denken, daß wir ein „Multiple Entry Visa“ für Angola haben, weil in der Rubrik „Nr. of Entries“ ein M steht. Dementsprechend geht unsere Traumroute über Rep. Kongo/Dolosie/Pointe-Noir nach Cabinda, weiter durch DR Kongo/ über die Brücke des Congo vor Matadi nach Angola. Die Entwarnung der Deutschen Botschaft in Luanda für die Enclave Cabinda sorgt für weiteren Rückenwind.
Vorsichtshalber fragen wir in Berlin nach, ob unsere Visa diese Reiseroute tatsächlich zulassen, werden aber dahingehend belehrt, daß das „M“ keinerlei Bedeutung hat – also nur einfache Einreise, neue Planung ist angesagt!
Wir bleiben zwar dabei, über Ndende nach Dolisie zu fahren, dann aber weiter Richtung Brazzaville bis Kinkala, von dort über Boko nach Luozi zur Fähre über den Congo.

Mission auf dem Weg zur Grenze Rep. Kongo
In Ndende stehen wir bei der Katholischen Mission und beobachten gedankenvoll den sich zuziehenden Himmel. Es hat jetzt gerade erst zwei Tage nicht mehr geregnet.
Vorsichtige Aussage von Gilles per SMS „piste hard but ok when dry; it was dry.“
Der erste Fahrtag mit Grenzformalitäten Gabun und Rep. Kongo bleibt trocken, wenn auch die Piste wegen der vorausgegangenen Gewitter mit Schlammpassagen aufwartet.

03 Januar 2014

Cameroon, so neat!

14. Dezember bis 28. Dezember 2013

Vorsichtig umfahren wir auf der Piste im Grenzbereich einen liegengebliebenen LKW – Vorboten der bislang gefürchteten Ekok–Mamfe-Piste?

Die Datenerhebung der Kameruner Grenzorgane erfolgt etwas umständlich, Stempel in Paß und Carnet gab es dann sehr flott. Wir suchen einen Geldwechsler und gehen Tee trinken.
Die Strecke von Ekok nach Mamfe hat inzwischen ihren Schrecken verloren: Chinesische Firmen pflegen die Piste, während sie parallel dazu eine breite Asphaltstraße durch den Wald vorwärtstreiben, auf der wir dann auch schon die letzten Kilometer fahren können.
Gilles auf der Ekok-Mamfe-PisteEkok-Mamfe: work in progressOrdnung muß sein

Gilles fährt dann mit uns über Bamenda bis Bafoussam, dann weiter direkt nach Yaoundé, während wir Richtung Mt. Kamerun abbiegen. Wir genießen noch eine Weile die frische Kühle der Berge und das Dahinrollen auf bestem Asphalt.
Außerirdisch . . .

Der endet abrupt, als wir in Loum nach Kumba abbiegen.
HiLux strandet auf Matschpiste
Gerade noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang finden wir eine kleine Presbyterianische Gemeinde. Hätte nicht das Pastorengewand draußen gehangen, hätten wir wahrscheinlich gar nicht angeklopft. Die Pastorin heißt uns willkommen, wir können übernachten.
Für die folgenden 35 km durch Bananen-, Ananas- und Ölpalmenplantagen brauchen wir vier Stunden und anschließend eine Autowäsche. Viele Flußläufe werden als Auto-, Motorrad- und LKW-waschplatz genutzt – verseucht?
Autowäsche, kamerunisch

Wir erreichen den Mt. Kamerun, aber schade: Der Berg hüllt sich völlig in Wolken, wie auch das ganze Land im Dunst liegt. Die Nacht verbringen wir am Atlantik in der Nähe von Limbe, allerdings ohne die klebrige Schwüle von Lomé. Nachts kühlt es erholsame 18 °C ab.
Gilles teilt per SMS mit, daß er in Yaoundé bei den Presbyterianern abgestiegen ist. Wir stoppen zunächst bei TOYOTA in Yaoundé. Unsere Windschutzscheibe hat drei Einschläge durch von einem LKW herabfallende Steine erlitten. „C’est n’est pas grave!“ erläutern Service und Werkstatt unabhängig voneinander, obwohl sie uns für 400,– Euro gerne eine neue Scheibe eingesetzt hätten.
Die Presbyterianische Mission liegt ruhig, mitten in der Stadt, auf einem Hügel; das große Gelände gleicht einer Parklandschaft. Wir campieren schattig auf „lawn“, nehmen die dürftigen Sanitäranlagen in kauf. Zu Fuß sind Geschäfte, Restaurants, Internetcafé und Patisserie (leckerst!) erreichbar – ein idealer Platz für Großstadt-Camping.
Bei den Presbyterianern treffen wir auch Gilles wieder und verabreden lose, Sylvester gemeinsam in Lambaréné zu verbringen.
Camp in Yaoundés CityWiedersehen wird begossen
Yaounde vom Missionsberg gesehenBegegnung auf dem Missionsberg

Voller Spannung fahren wir zur Deutschen Botschaft. Konsul Thomas Scherer händigt uns die Zweitpässe mit den Visa für Republik Kongo (Brazzaville), Demokratische Republik Kongo sowie für Angola aus, die per DHL aus Berlin eingetroffen sind. Sind wir froh!
Konsul Scherer ist übrigens eine Ausnahmeerscheinung im deutschen diplomatischen Dienst: Fernreisenden zugewandt, selbst mit LandCruiser HJ60 nach Mongolei gereist; mit Eigenbau-(!)-Flugzeug von D zum Dienst nach Kamerun geflogen . . .

Wieder einmal können wir im Goetheinstitut ZEIT- und SPIEGEL-Lektüre genießen. Umwuselt von ganz vielen Studenten der deutschen Sprache schicken wir per Internet die Weihnachtspost auf die Reise. Unseren blog führen wir bei Café au Lait (von Espresso!) im Espresso House weiter und sitzen dann abends zur Abwechslung einmal beim Türken – sehr gutes Essen mit Mokka.

Gilles fährt weiter, den Mt. Cameroun (etwas über 4000 m!) zu besteigen, wir an den Strand nach Kribi. Über Edea steigen wir langsam von den relativ kühlen 800 m wieder auf Meeresniveau hinab, wo es trotz kräftiger Brise deutlich wärmer ist.

Weihnachten campen wir im „Tara Plage Hotel“ unter Palmen. Uli mag hier im Strandrestaurant eines Fischers sogar den Baracuda, Karin genießt Crevette à Kribienne – frischer geht es nicht.

Strand beim "Tara Plage"Fischer kämpft mit Brandung. . . geschafft
So wirbt das Strand-Restaurant . . .. . . mit Erfolg

Das Hotel ist voll mit Urlaubern aus Kamerun, vielen NGOs, Geschäftsleuten und ausländischen Touristen – Kribi bietet schließlich den schönsten Strand des Landes. Die Einheimischen beschreiben Kamerun als besonders stabil und vergleichsweise weiter entwickelt als die meisten Nachbarn der Region. Das ist auch unser Eindruck.

Beim Strandspaziergang am 24. spricht uns ein Paar an und lädt uns spontan zu einem Drink zu sich ein. Als wir abends dort ankommen staunen wir nicht schlecht. Aus dem Drink ist eine Flasche Champagner geworden. Wir plauschen angeregt mit dem Marmorhändler und seiner Partnerin, die Aktivistin für die Rechte von Frauen ist. Am nächsten Tag führen uns die beiden noch über den Golfplatz von Kribi, dessen Anlage mit altem Baumbestand in der Tat besonders reizvoll ist; selten bekommt man solche Baumriesen noch in der Regenwaldzone zu Gesicht.

Michel zeigt uns den GolfplatzLetzte Baumriesen. . . auf dem Golfplatz

Nach vier erholsamen Tagen brechen wir Richtung Gabun auf; über 170 km Staubpiste erreichen wir nach acht Stunden Ebolowa und nehmen dort ein Zimmer.

Bester Asphalt führt über 128 km nach Süden, zur Grenze; schnell sind die Formalitäten der Kamerunausreise erledigt. Das gilt auch für die Gabunseite.

03 Januar 2014

Nigeria – ganz anders . . .

4. Dezember bis 14. Dezember 2013

Weiter über Nikki kommen wir auf bester Teerstraße zur nigerianischen Grenze; zugegebenermaßen mit ziemlich gemischen Gefühlen.
„Welcome to Nigeria!“ Freundlicher Empfang, korrekte Abwicklung der Formalitäten und Hilfe beim Geldtausch zeigen, daß unsere Bedenken unbegründet waren.
Wir finden den von „Jonas in Afrika“ (= seine Website) vor vier Jahren beschriebenen Platz für Bushcamping bei Kosubosu, auf großen Felsplatten gelegen. Eine sternklare Nacht bei nur 17 °C (schnatter!) war ein besonderes Erlebnis.
Ein besonderes Erlebnis war auch die Piste zu diesem Platz und weiter nach New Bussa.

Piste, so weit das Auge reichtStaub ohne Ende
Grader nötig!Fragen über Fragen!
Termiten brauchen keinen Caterpillar
Dorf an der PisteFeldbearbeitung für Yam-Anbau

Das angepeilte Camp vom „Lake Kainja National Park“ erreichen wir nicht – mehr als 160 km waren an diesem Tag nicht drin.

So nahmen in New Bussa ein Zimmer im Gästehaus der Elektrizitätsgesellschaft, heilfroh, dieses vor Einbruch der Dunkelheit gefunden zu haben und freuen uns über Bier und Reis mit Gemüse.

Zum Teil völlig desolater Asphalt begeistert uns auch nicht gerade auf der weiteren Strecke bis Bidal. Allerdings haben wir Glück mit den verschiedenen Arten von Roadblocs (Militär, Polizei, Zoll, Verkehrspolizei, Miliz hier und da). Nur zweimal müssen wir geschickt verhandeln, um die Frage, was wir für sie mitgebracht hätten, freundlich abzuwehren. Sonst bleibt es bei Geplauder, Grundkenntnisse über Bundesliga- und Premier League waren von Vorteil.

In Bida werden wir sehr freundlich im Gästehaus „Al-haramaim“ aufgenommen, können dort im Dachzelt übernachten – allemal luftiger als im vorhandenen Zimmer, dessen Toilette und Dusche wir benutzen dürfen für kleines Geld.

Camp im Hof des Al-haramaimSIM Card-Verkauf vorm Guesthaus

Bis Bida hat uns OpenStreetMap nie im Stich gelassen, ohne Probleme konnten wir selbst kleinste Straßen finden. Ab Bida war dann plötzlich Schluß. Garmin zeigt nur noch die Basiskarte an, wir fahren zum Teil „acht Kilometer neben der Straße“.
Felsen bei Suleja
Die große Stadt Suleja wird nur als Punkt gezeigt, Abuja, die Hauptstadt von Nigeria ist gar nicht vorhanden. So nähern wir uns nur mit den Koordinaten vom Sheraton-Hotel auf Motorways dem Zentrum von Abuja. Ein Autofahrer, mit seiner Familie unterwegs, fährt dann voraus und bringt uns direkt zu dem letzten Abzweig vor dem Sheraton – toll!

Für die weniger Eingeweihten: Das Sheraton stellt Overlandern auf der Rückseite des Komplexes seit über zehn Jahren Camping auf Rasen zur Verfügung. Im Squash Court können die Touristen, wie wir vom Personal genannt werden (alle anderen Gäste sind Businessclass), die Sanitäranlagen benutzen.

Natürlich werden die Pässe kopiert, Daten registriert, dann stehen wir hochgesichert auf dem preiswertesten Camping (2,50 Euro/Nacht) der ganzen Reise, mit Ausblick auf die Stadt.
Ausblick vom Sheraton-CampWatchman shampooniert Watchdog
Die andere Seite . . .. . . umweltfreundliche Abfallbeseitigung

Der Sonntag vergeht mit den allfälligen kleinen Routinearbeiten eines Lebens ohne Waschmaschine, Spülmaschine, Hebebühne und Ölabscheider. Wir genießen anschließend perfekten Cappucino und Pizza.

Es ist Montag, die Botschaften öffnen ihre Pforten: Geleitet von Koordinaten und dem Stadtplan aus dem Reiseführer kommen wir den Kamerunern recht nahe; wieder fragen wir jemand, der ruft seinen Fahrer an, welcher uns am Telefon genau erklärt, wie wir fahren müssen. Sogar die Telefonnummer des Fahrers bekommen wir, für alle Fälle. Paßt perfekt! Wir bedanken uns später telefonisch. Die Visa können wir am Mittwoch abholen. Sie kosten seltsamerweise 50 000,- CFA WEST (ca. 80 Euro), in Kamerun ist der CFA OST gültige Währung.
Dienstag wollen wir die Umgebung unseres Camps zu Fuß erkunden; allerdings ist das hochorganisierte Abuja eine reine Autostadt, und es ist absolut kein Vergnügen, vierspurige Motorways ohne die Hilfe eines Polizisten zu queren. Die nächsten Wege bewältigen wir wieder ortsüblich mit dem Auto.
Nachmittags steht Gilles, der belgische Motorradfahrer vor uns. Er hat unseren blog gelegen und vermutet, wir könnten jetzt in Abuja sein. Ein eiskaltes Bier am Pool des Sheraton (der Preis/Flasche entspricht zwei Nächten Camping) ist da ein Muß.

Auf der Fahrt zur Kamerunbotschaft übersehen wir im Getümmel beim Rechtsabbiegen eine rote Ampel – und werden prompt von Uniformierten aus dem Verkehr gezogen: 50 000,- Naira drohen! Nach vielen Malen Kotau und der Bitte um Verständnis kommen wir mit einem blauen Auge, spricht 1700,- Naira davon. Mit dem Kamerunvisum im Paß sind wir im Sheraton zurück.

Gemeinsam mit Gilles reisen wir über Makurdi weiter; durch wunderschöne Berglandschaft auf kleinen Straßen erreichen wir Ikom, kaum von den von anderen Reisenden angekündigten road blocks angehalten.
Das dritte Hotel ist noch nicht ausgebucht – wir bekommen Zimmer, na ja, nicht unbedingt erste Wahl. Abends sitzen Gilles und Uli wie die Terrier vor ihren MacBooks und unserem GPS-Gerät, bis endlich wieder eine OpenStreetMap mit allen Details zur Verfügung steht. Auch die neue Garmin-Navigations-Weichware „BaseCamp“ wird noch auf Ulis Mac geladen. Danke, Gilles!

Ikom: StraßenszeneIkoms PitStop

Es sind nur noch 30 km bis zur Grenze Kamerun. So ruhig wir eingereist können wir auch wieder ausreisen. Und doch: Trotz aller positiven Erfahrungen sind wir froh, denn Spannungen und Aggression sind im Land überall zu spüren.