03 Januar 2014

Nigeria – ganz anders . . .

4. Dezember bis 14. Dezember 2013

Weiter über Nikki kommen wir auf bester Teerstraße zur nigerianischen Grenze; zugegebenermaßen mit ziemlich gemischen Gefühlen.
„Welcome to Nigeria!“ Freundlicher Empfang, korrekte Abwicklung der Formalitäten und Hilfe beim Geldtausch zeigen, daß unsere Bedenken unbegründet waren.
Wir finden den von „Jonas in Afrika“ (= seine Website) vor vier Jahren beschriebenen Platz für Bushcamping bei Kosubosu, auf großen Felsplatten gelegen. Eine sternklare Nacht bei nur 17 °C (schnatter!) war ein besonderes Erlebnis.
Ein besonderes Erlebnis war auch die Piste zu diesem Platz und weiter nach New Bussa.

Piste, so weit das Auge reichtStaub ohne Ende
Grader nötig!Fragen über Fragen!
Termiten brauchen keinen Caterpillar
Dorf an der PisteFeldbearbeitung für Yam-Anbau

Das angepeilte Camp vom „Lake Kainja National Park“ erreichen wir nicht – mehr als 160 km waren an diesem Tag nicht drin.

So nahmen in New Bussa ein Zimmer im Gästehaus der Elektrizitätsgesellschaft, heilfroh, dieses vor Einbruch der Dunkelheit gefunden zu haben und freuen uns über Bier und Reis mit Gemüse.

Zum Teil völlig desolater Asphalt begeistert uns auch nicht gerade auf der weiteren Strecke bis Bidal. Allerdings haben wir Glück mit den verschiedenen Arten von Roadblocs (Militär, Polizei, Zoll, Verkehrspolizei, Miliz hier und da). Nur zweimal müssen wir geschickt verhandeln, um die Frage, was wir für sie mitgebracht hätten, freundlich abzuwehren. Sonst bleibt es bei Geplauder, Grundkenntnisse über Bundesliga- und Premier League waren von Vorteil.

In Bida werden wir sehr freundlich im Gästehaus „Al-haramaim“ aufgenommen, können dort im Dachzelt übernachten – allemal luftiger als im vorhandenen Zimmer, dessen Toilette und Dusche wir benutzen dürfen für kleines Geld.

Camp im Hof des Al-haramaimSIM Card-Verkauf vorm Guesthaus

Bis Bida hat uns OpenStreetMap nie im Stich gelassen, ohne Probleme konnten wir selbst kleinste Straßen finden. Ab Bida war dann plötzlich Schluß. Garmin zeigt nur noch die Basiskarte an, wir fahren zum Teil „acht Kilometer neben der Straße“.
Felsen bei Suleja
Die große Stadt Suleja wird nur als Punkt gezeigt, Abuja, die Hauptstadt von Nigeria ist gar nicht vorhanden. So nähern wir uns nur mit den Koordinaten vom Sheraton-Hotel auf Motorways dem Zentrum von Abuja. Ein Autofahrer, mit seiner Familie unterwegs, fährt dann voraus und bringt uns direkt zu dem letzten Abzweig vor dem Sheraton – toll!

Für die weniger Eingeweihten: Das Sheraton stellt Overlandern auf der Rückseite des Komplexes seit über zehn Jahren Camping auf Rasen zur Verfügung. Im Squash Court können die Touristen, wie wir vom Personal genannt werden (alle anderen Gäste sind Businessclass), die Sanitäranlagen benutzen.

Natürlich werden die Pässe kopiert, Daten registriert, dann stehen wir hochgesichert auf dem preiswertesten Camping (2,50 Euro/Nacht) der ganzen Reise, mit Ausblick auf die Stadt.
Ausblick vom Sheraton-CampWatchman shampooniert Watchdog
Die andere Seite . . .. . . umweltfreundliche Abfallbeseitigung

Der Sonntag vergeht mit den allfälligen kleinen Routinearbeiten eines Lebens ohne Waschmaschine, Spülmaschine, Hebebühne und Ölabscheider. Wir genießen anschließend perfekten Cappucino und Pizza.

Es ist Montag, die Botschaften öffnen ihre Pforten: Geleitet von Koordinaten und dem Stadtplan aus dem Reiseführer kommen wir den Kamerunern recht nahe; wieder fragen wir jemand, der ruft seinen Fahrer an, welcher uns am Telefon genau erklärt, wie wir fahren müssen. Sogar die Telefonnummer des Fahrers bekommen wir, für alle Fälle. Paßt perfekt! Wir bedanken uns später telefonisch. Die Visa können wir am Mittwoch abholen. Sie kosten seltsamerweise 50 000,- CFA WEST (ca. 80 Euro), in Kamerun ist der CFA OST gültige Währung.
Dienstag wollen wir die Umgebung unseres Camps zu Fuß erkunden; allerdings ist das hochorganisierte Abuja eine reine Autostadt, und es ist absolut kein Vergnügen, vierspurige Motorways ohne die Hilfe eines Polizisten zu queren. Die nächsten Wege bewältigen wir wieder ortsüblich mit dem Auto.
Nachmittags steht Gilles, der belgische Motorradfahrer vor uns. Er hat unseren blog gelegen und vermutet, wir könnten jetzt in Abuja sein. Ein eiskaltes Bier am Pool des Sheraton (der Preis/Flasche entspricht zwei Nächten Camping) ist da ein Muß.

Auf der Fahrt zur Kamerunbotschaft übersehen wir im Getümmel beim Rechtsabbiegen eine rote Ampel – und werden prompt von Uniformierten aus dem Verkehr gezogen: 50 000,- Naira drohen! Nach vielen Malen Kotau und der Bitte um Verständnis kommen wir mit einem blauen Auge, spricht 1700,- Naira davon. Mit dem Kamerunvisum im Paß sind wir im Sheraton zurück.

Gemeinsam mit Gilles reisen wir über Makurdi weiter; durch wunderschöne Berglandschaft auf kleinen Straßen erreichen wir Ikom, kaum von den von anderen Reisenden angekündigten road blocks angehalten.
Das dritte Hotel ist noch nicht ausgebucht – wir bekommen Zimmer, na ja, nicht unbedingt erste Wahl. Abends sitzen Gilles und Uli wie die Terrier vor ihren MacBooks und unserem GPS-Gerät, bis endlich wieder eine OpenStreetMap mit allen Details zur Verfügung steht. Auch die neue Garmin-Navigations-Weichware „BaseCamp“ wird noch auf Ulis Mac geladen. Danke, Gilles!

Ikom: StraßenszeneIkoms PitStop

Es sind nur noch 30 km bis zur Grenze Kamerun. So ruhig wir eingereist können wir auch wieder ausreisen. Und doch: Trotz aller positiven Erfahrungen sind wir froh, denn Spannungen und Aggression sind im Land überall zu spüren.



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