22 Januar 2008

Indien - Von Diu bis Goa

Gujarat and Maharasthra (01. 01. 2008 - 09. 01. 2008)

Am Neujahrsmorgen begruessen wie immer Fischer bei Sonnenaufgabg den Tag mit Gebeten, sonst wirkt Diu noch etwas verschlafen, noch nicht einmal die Mopedhupen sind zu hoeren.
Der Verkehr auf der Strecke nach Bhavnagar haelt sich in Grenzen, und abends erreichen wir die Salzpfannen noerdlich der Stadt. Wir campen in der Weite und messen am naechsten Morgen die wuestentypischen 4 Grad, statt wie die Tage vorher am Meer 14 Grad.
Der Strassenzustand wird immer besser, und prompt taucht auch schon naechste Mautstation auf, typisch fuer viele Strecken.
Mittags treffen wir bei Toyota in Vadodara (frueher Baroda) ein. Eine der erst 6 Monate alten Batterien leckt und das Radlagerspiel vorn links muss eingestellt werden.

Die Crew macht viele Fotos von unserem Exoten, der Chefmonteur legt als Lehrstunde selbst Hand an, wobei das Werkstatthandbuch gute Dienste leistet, denn 4X4 mit Freilaufnabe haben die Toyotas hier nicht.
Tee, Kaffee und Softdrinks werden in der Lounge gereicht, waehrend die passende Batterie besorgt wird.
In der Universitaetsstadt uebernachten wir und essen eine richtig gute Pizza, - das erste Mal nicht indisch seit Einreise - und bekommen in einer Kaffeebar auch entsprechenden Espresso. Auf dem Weg von der Pizzeria zur Kaffeebar klammern sich verzweifelt-aggressive Bettelkinder an uns, nach wie vor eine seltene Situation, die uns immer eine Weile beschaeftigt.
Ohrenbetaeubende Blasmusik laesst uns morgens beim Einkaufen zusammenzucken, und unsere Ohren halten gerade lange genug durch, einige Aufnahmen von der vorbeiziehenden Hochzeitsgesellschaft mit Pferdekutsche zu machen.



Spaeter bei einer Pause und Routine-check am Auto stellen wir fest, dass die Freilaufnabe am Rad mit dem frisch eingestelltem Lager nicht einstellbar ist, und dieser Garantiefall beschert einen kleinen Umweg in die Millionenstadt Surat, durch die uns ein Tuk-Tuk-Fahrer, den wir nach dem Weg fragen, fast auf Karins Schoss sitzend, durch das abendliche Gewuehl mit unuebersichtlichen Unterfuehrungen und ueber kilometerlange Bruecken sicher zu Toyota bringt. Das Problem wird behoben, wieder wie ueblich bei Tee, Kaffee etc., und dann zeigen uns nette Leute bei Nachteinbruch die Abkuerzung hinaus aus der Grossstadt Richtung Highway, wo wir dann bei einer modernen Raststaette uebernachten. Die Lkw rangieren frueh und erleichtern uns dadurch das Aufstehen – den Besuch beim Tee sind wir inzwischen schon gewoehnt.
Bald zeigen riesige Werbeflaechen fuer Bier, Whisky und Brandy, dass wir Gujarat verlassen haben und im Bundesstaat Maharastra angekommen sind.
Den Grossraum Mumbai erreichen wir passend zur Rushhour, und genau wie alle anderen, die wir schon gesprochen haben, schaffen wir es nicht, den auf der Karte verzeichneten Bypass zu finden – zu vertrackt sind Strassenfuehrung bei nur rudimentaerer Beschilderung. Nur mit viel Fragen gelangen wir schliesslich auf die Ausfallstrasse Richtung Goa.
Der National Highway Nr. 17 fuehrt an der Westkueste entlang: “Genussfahren” fuer Fahrer und Beifahrerin – wenig Verkehr, viele enge Kurven ueber kleine Paesse, Alleen und lichte Walddurchfahrten erlauben immer wieder wunderschoene Ausblicke ueber die Western Ghats.
Grasgedeckte Huettendoerfer inmitten roter Erde erinnern einmal mehr an Zentralafrika.




Kurz vor Goa erreichen wir dann unseren Traumstrand und schwimmen ausgiebig im klaren Wasser. Wenn Goa als Treffpunkt der “Overlander” nicht rufen wuerde, uns zoege nichts weiter! So setzen wir mit einer kleinen Faehre ueber.

Goa – Agonda Beach ( 09. 01. 2008 – 11. 02. 2008)
Die Hippie-Rueckzugsgebiete Arambol und die Techno-Hochburg (oder was davon uebrig geblieben ist) Vagator sind voller Touristen aller Couleur aus aller Welt, die in Bars, internationalen Restaurants (Traveller Food!! – tja, was ist das), German Bakeries nichts vermissen muessen, was sie auch zu Hause haben.

Markt in Ajuna

Agonda Beach hat nach wir vor keine Hotelkomplexe und Discos, ist aber voller Coco Huts und Guesthaeuser. Wie schreibt der Lonely Planet? Ein Platz fuer Leute, die absolut nichts tun wollen!




Schon von weitem sehen wir am suedlichen Ende der Bucht die Trucks, Kasten- und Gelaendeautos der Overlander aus Europa – auch unsere Reisebekanntschaften treffen wir wieder; ein schoener Stellplatz direkt am Strand findet sich neben Hubert und Ana-Lauras Iveco aus Berlin.
Als erstes registriert uns die “Security”. Wir zahlen im voraus fuer “Wachdienste” und “Standerlaubnis” . . .
Nach der Begruessungsrunde fuehren uns die Berliner in die Infrastruktur ein: Brauchwasser am kommunalen Ziehbrunnen holen, zwei Baecker kuendigen am Morgen per Hupe die Brot- und Kuchenlieferung an, Trinkwasser wird vom Pick-up herunter verkauft; selbst Obst wird hin und wieder angeboten.


Nichts ist unmoeglich . . .

Der Toilettengang fuehrt mit Wasserflasche (“Indian style”) ins angrenzende Gebuesch: nach dem Geschaeft Entsorgung durch halbwilde Borstenviecher!
Die Leute auf dem Platz sind zum Teil auch mit ihren Kindern, drei bis dreizehn Jahre alt, unterwegs, alle wirken sehr bedacht und ueberlegt. Auch die sogenannten Aussteiger haben den Wechsel in eine andere Lebensqualitaet sorgfaeltig vorbereitet. Einige bekommen Besuch von den erwachsenen Kindern, Geschwistern oder Eltern, denn Goa liegt nur acht Flugstunden von Ffm. entfernt.
Es wird viel geschwommen, gelesen, relaxt, relaxt, relaxt . . . Erfahrungen werden oft am Lagerfeuer bei gegrilltem Fisch ausgetauscht, und das Thema Visabeschaffung ist schier unerschoepflich.

Wenn es um Indien geht scheiden sich die Geister - ein Teil will so bald wie moeglich weiter nach Suedostasien oder Australien, weil sie Indien zu anstrengend finden; ein Teil flucht auch so manches mal ueber die Verhaeltnisse, kommt aber zu dem Schluss, dass man sich oft selbst in missliche Verhaeltnisse hineinmanoevriert. Wir gehoeren zu letzteren und moechten den Sueden des Subkontinents noch ein Stueck weiter erkunden.
Am Wochenende gehoert der Platz den indischen Touristen, die mit Reisebussen, Motorraedern, einige auch mit Pkw einfallen. Als naechstes beginnt der Lautstaerkewettkampf aus scheppernden Boxen, von klassisch Indisch ueber Ethnopop bis Techno bei allseits guter Laune.
Ausgelassene Sportspiele am Strand und Picnic, einige sprechen dem "Kingfischer" (indische Biersorte) mehr zu als ihnen (und uns) guttut, gehoeren zum Freizeitspass.
Ins Meer geht Mann meist nur bis zum Bauch, denn schwimmen koennen die wenigsten Inder. Frau geht so gut wie gar nicht ins Wasser, wenn, dann mit Sari.

Wir haben den Platz in der ersten Reihe und viel Spass an der Freude der indischen Touristen. Bei Sonnenuntergang gellen die Mehrklanghupen der Busse, alles folgt den Rufen, und dann ist es ploetzlich wieder ganz still. Kuehe kuemmern sich um Essensreste und leere Kartons, unsere Security sammelt Muell in einer Grube, wo er angezuendet suesslich vor sich hin schwelt.
Seit ein paar Tagen herrscht Starkwind, die Wellen tuermen sich graubraun und sandig, das Salz legt sich als klebrige Schicht auf alle Flaechen - es wird Zeit von Goa Abschied zu nehmen.

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