22 Mai 2008

Iran: In jeder Hinsicht anders?

Kerman, Wüste Kaluts und Yazd
(29. 4.-4. 5. 2008)


Der Iran erschreckt uns nur einmal: Die Grenzbeamten und Polizisten verstehen keinerlei Englisch und erkennen auch zunaechst nicht, dass wir ein Touristenvisum und nicht nur ein Transitvisum mit vorgeschriebener Route haben. Ehe wir uns versehen haben wir bereits einen jungen, unsicher wirkenden Soldaten hinten auf den Kisten sitzen, der uns zum naechsten Polizeiposten dirigiert. Von dort an werden wir bis hinter Bam (ca. 400 km) eskortiert. Die bewaffneten Mannschaften wechseln alle ein bis zwei Stunden - sehr anstrengend für uns, da wir nie wissen, wie lange wir und warum irgendwo warten müssen. Uns vergeht die Lust auf Fotostops und Besichtigungen.
Aus iranischer Sicht ist die Eskorte verstaendlich: Das iranische Baluchistan wird weitgehend von war lords, Drogen- und Waffenhaendlern sowie Dieselschmugglern kontrolliert. Ungezaehlte Flüchtlinge aus Afghanistan stellen eine zusaetzliche Belastung dar. Iran möchte genau wie Pakistan die Sicherheit der Touristen garantieren.

Endlich frei erreichen wir Kerman. Die ersten Mauersegler begrüssen uns, und die Stadt zeigt uns bald eine ganz andere Facette Irans: Breite Boulevards, aufgeschlossene, englisch sprechende Menschen, schnelle Internetcafes, alte Basare, Teehaeuser, moderne Museen, wohlgefüllte Laeden mit westlichen Konsumgütern. Eine angenehme Mischung trotz des Kopftuchgebots und der vielen 'schwarzen Zelte' im Stadtbild.
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Auch überraschend: kaum mal ein Muezzin zu hören - im starken Kontrast zu Pakistan.

Auf den Tip von zwei Tourguides fahren wir hinaus zur Wüste Kaluts. Im Desertcamp übernachten auch 60 StudentInnen des Touristikstudiums mit ihrem Professor aus Teheran und sechs junge Fotografie-StudentInnen, die privat unterwegs sind - für uns eine wunderbare Erfahrung: Wir werden eingeladen und interviewt, können uns austauschen und ungehindert bis spaet in die Nacht diskutieren. Neben einer gewissen Resignation wird besonders der Wille zur Veraenderung deutlich.
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Stopover in Yazd

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Unterschiedliche Türklopfer für Mann und Frau

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Hamam in Yazd - umgebaut zum Teehaus

Isfahan laedt geradezu zum Bummeln ein - eine langvermisste Erfahrung, auf Bürgersteien schlendern zu können. Baumbestandene Alleen, Parkanlagen, Uferpromenaden mit mediterranem Flair - und natürlich Geschichte und Kultur satt.
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An den Wochenenden wird die grosse Höhle von Ali Sadre von hunderten Touristen besucht, meist im Familienverband, Camping im mitgebrachten Zelt ist hier durchaus üblich. Die Andenkenlaeden bieten hier wie überall auf der Welt alles was des Turisten Herz begehrt.
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Da geht es am Takhat-Soleyman, einer heiligen Staette der Zorastrier, jetzt auch Weltkulturerbe, schon ruhiger zu.
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Hier hören wir die ersten Kuckucke, Störche laufen auf den Feldern, grosse Schafherden sind unterwegs, der erste Klatschmohn blüht: Frühsommer im Iran.

Noch einmal tanken wir voll - 240 l Diesel kosten uns ganze 4,80 (!) Euro. Im Grenzbereich zur Türkei (hier würden 240 l Diesel ca. 360,00 (!) Euro kosten) ist die Abgabe auf 30 l limitiert und wird sogar im Carnet des Passages eingetragen!
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Im Norden Irans haben uns dann die schneebedeckten Gipfel wieder, das Hotel in Maku setzt tatsaechlich die Heizung in Gang, die heisse Brause verwöhnt ebenso wie die wohltemperierte Podusche (nee, man braucht kein kratziges Klopapier!).
Und dann heisst es:
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