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23 Oktober 2007

Rueckblick China/Tibet Teil 3 - Von Lhasa bis zur Grenze China/Nepal

Gyantse und Chomolungma Base Camp/Mt. Everest
(30. 9. - 3. 10. 2007)



Klostertaxi in Gyantse

Ueber das Kloster Palkhor in Gyantse geht es dann weiter bis New Tingri. Unterwegs haben wir dann bei absolutem Spitzenwetter wieder einen 5100 m-Pass mit Himalayablick auf die ersten 8000er.
Der Berg der Berge folgt dann etwas spaeter, und fuer uns ist sofort klar, dass wir den Nationalparkeintritt (580 Yuan) zahlen. Weder Norbu mit Fahrer, noch Armin wollen mit und so wird das Treffen in Old Tingri, 60 km weiter Richtung Nepal vereinbart - und dann haben wir ganze zwei Tage "frei"!

Die Passstrasse hinueber in das Everesttal ist die bestgepflegte "dirtroad" auf userer bisherigen Tour. Wir geniessen es, nicht staendig auf die Piste achten zu muessen. So fahren wir bis auf 5300 m und koennen uns an den Gipfeln Everest, Lhotse, Makalu etc und dem Blick zurueck in das Tal nicht satt sehen. Auch dort treffen wir wieder Fahrradreisende, ein Paar aus Deutschland, die schon 2000 km China hinter sich haben! Teabreak - findet statt auf einem kleinen Plateau ueber dem Fluss, die Sonne scheint, und wir fuehlen uns wie im Urlaub.
Kurz hinter dem Kloster Rongbuk ist fuer uns normale Auto-Touristen der Weg zuende, Permits fuer die hohen Regionen kosten dann richtig Geld und sind Bergsteigern vorbehalten. Wir klaeren mit dem ersten Gaestehaus (Nomadenzelt, beheizbar), dass wir dort essen und im Auto hinter dem Zelt uebernachten werden. Die Bewirtung duch den Kampa ist freundlich und angenehm, wir fuehlen uns hier wohl.
Mit einer Pferdekutsche zockeln wir zum eigentlichen Photopunkt und versuchen den Chomolunga zu erfassen.



Die Eis und Schneebedeckten Flanken wirken selbst bei strahlend blauem Himmel auf uns Respekt einfloessed. Wir sind froh, dass wir nicht da oben hinauf muessen … Und dass wir nachts in unsere noch in Berlin nachgefuellten Schlafsaecke kriechen koennen, denn die Nacht auf 5200 m bringt –10 Grad.
Morgens kratzen wir die Autoscheiben (!) frei, nach letzten Blicken auf den rosa ueberhauchten Berg. Der tibetische Fahrer einer kleinen chinesischen Gruppe zeigt uns dann - schon wieder bei waermendem Sonnenschein - den Weg nach Old Tingri. Weg ist hier der richtige Ausdruck, denn fuer die etwa 70 km lange Strecke brauchen wir fast sechs Stunden, die aber voller landschaftlicher Reize sind, die wir nicht missen moechten. Bei unserer Teepause auf 4800 m beobachten wir viele verschiedene Vogelarten (leider immer noch kein Bestimmungsbuch an Bord!). Allen bekannt der Wiedehopf.
Die kleinen Weiler an dieser Strecke wirken viel sauberer und ansprechender als die chinesierten Strassendoerfer. Weder in den kleinen Seitentaelern noch in besagten Strassendoerfern sind wir den immer wieder beschriebenen bissigen Hunden begegnet - im Gegenteil, die Tiere, meist schaeferhundgross, aber mit runderen Gesichtern, langen Ohren und geraden Ruecken, schwarzbraun, verhalten sich sehr ruhig und abwartend. Die erholsame Nacht verbringen wir in Old Tingri wieder in einem Guesthouse, wo Armin, Norbu und Tundru auf uns warten.

Friendship Highway
von Old Tingri nach Zhangmu (4. 10. 2007)

Die Fahrt nach Nyalam geht ueber die Paesse Lalung La (5100 m) und Tong La (5300 m), die oft auf Postkarten zu finden sind wegen der Himalaya-Kulisse. Es macht viel Spass, trotz einiger nervtoetender Wellblechstrecken (dann lieber im Gelaende herumkrabbeln). Von nun an geht es vehement bergab. Es wird fuehlbar waermer und feuchter. In Nyalam regnet es sogar ein wenig. Unsere Zwangspause wegen Strassenbauarbeiten ist um 18 h zu Ende, und wahrscheinlich ist es gut, dass wir ueber den naechsten Abschnitt von nur 35km mit aber 2000 Hoehenmetern Abstieg von unserem Guide nur ueber unbequeme Fahrerei wegen der Bauarbeiten informiert werden. Der Abstieg in die Subtropen an sich ist schon umwerfend: Farne, tropfende Haenge, zunaechst noch bekannte Alpenflora, die mehr und mehr unbekannten Pflanzen Platz macht und vielen Rhododendron-Arten, daneben der reissende Fluss 400 m tiefer …
Die Strasse ist in der Tat eine 35 km lange Riesenbaustelle -

... aber eben nur eine LKW-Spur breit. Zustand wie ein Truppenuebungsplatz im nassen Spaetherbst, es spottet jeder Beschreibung, wie es in Millimeterarbeit am Abgrund und an entgegenkommenden Fahrzeugen, bei Regen, Nebel und Dunkelheit vorbei geht, durch kleine Wasserfaelle, begleitet vom Schrillen der Zikaden und dann, weit unten, endlich die Lichter von Zhangmu, der Grenzstation nach Nepal! Ein Erlebnis, dass wir so schnell nicht vergessen werden.

Grenze China/Nepal (5. 10. 2007)
Unser Guide Norbu regelt die Ausreiseformalitaeten, was uns drei Stunden lang ermoeglicht, das Leben und Treiben in der Grenzregion zu geniessen - Absschiedsstimmung und Aufbruchsstimmung gleichzeitig.
“Tashi delek” Tibet und “Namaste” Nepal.


23 Oktober 2007

Rueckblick China/Tibet Teil 2 - Von Zhada bis Lhasa

Mt. Kailash - Die Kora um den heiligen Berg
(19. 9. - 22. 9. 2007)

Der erste Kailashblick loest doch neben Begeisterung und Freude auch eine gewisse Unruhe aus, ob der schneebedeckte Berg sich wirklich von uns umrunden lassen wird …


Aber vorher hiess es noch einmal eine Menge Staub schlucken ...


In Darchen (4600 m) angekommen, finden wir uns in so etwas wie einem Basislager wieder! Das erste Mal treffen wir auf viele Touristen, die aus Lhasa oder Kathmandu kommen, in kleinen Gruppen von drei bis vier in Toyotas mit Guides unterwegs, die z. T. auch die Kora um den heiligen Berg gehen werden. Eine tschechische Familie gibt uns wertvolle Tipps fuer den Weg und macht uns Mut, dass wir auch den hohen Pass mit 5600 m bewaeltigen koennen.
Das Wetter ist uns am ersten Tag hold:Bei sehr kaltem Wind, aber strahlendem Sonnenschein, und nachmittags erreichen wir sehr erschoepft der Hoehe wegen das erste Nachtlager auf 5000 m. Dort kommen noch zwei Reisegruppen aus Deutschand (alles erfahrene Alpenlaeufer), und eine nepalesisch gefuehrte an. Dass wir nur zu dritt sind, loest fast schon Befremden aus, denn in Tibet sind bis auf die Fahrradfahrer typischerweise nur organisierte Reisegruppen unterwegs.
Die Nacht verbringen wir alle drei sehr unruhig, moeglicherweise eine milde Form von Hoehenkrankheit. Bei erstem Licht und Frost geht es los. Der Kailash huellt sich teilweise in Wolken, und dann stehen wir vor den letzten 200 Hoehenmetern Aufstieg auf den Pass, wofuer wir fast zwei Stunden brauchen! Leere Sauerstoffflaschen und Glucoseinfusionssets zeugen von den Problemen weniger gut akklimatisierter Wanderer. Die "Alpenlaufer" ueberholen uns: Yaks tragen ihr Gepaeck samt Kuechen- und Toilettenzelt Die Tiere laufen auch mit Lasten immer das gleiche Tempo, in der Ebene wie im unwegsamsten Anstieg - genau wie die tibetischen Pilger, die leichtgen Fusses an uns vorbeispringen und froehlich Tashi delek rufen!!



Wir sitzen nur kurz in eisiger Hoehe zwischen den Gebetsfahnen, der Himme ist grau verhangen, der Abstieg gegen Ende hin mit seiner Flusslandschaft laesst die Erschoepfung schon fast vergessen. Wir freuen uns, dass wir vor Sonnenuntergang und den Schneeschauern das naechste Nachtlager (4900 m) erreichen - the Gods were with us. Am naechsten morgen ist es immer noch sehr kalt aber sonnig. Jetzt ist das Laufen ein Genuss, zumal der Weg gruen und bluehend gesaeumt ist. Norbu ist froh, dass wir heile wieder da sind. Er hat Buddha gebeten uns zu beschuetzen.

Noch am gleichen Nachmittag reisen wir weiter zum Lake Manasarowar.

In spiritueller Hinsicht ist der Besuch des heiligen Sees mit am beeindruckendsten gewesen neben der Kora um den Kailash, weil wir Gelegenheit hatten, mit Norbu als verstaendigem Vermittler laengere Zeit mit einem der alten Moenche im Kloster Chiu zu sprechen und auch die Buecher anzusehen und erklaert zu bekommen. Wieder fast beschaemend, mit welcher Ruhe und sogar Humor ueber die Folgen der Kulturrevolution berichtet wird.






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16 Oktober 2007

Rueckblick China/Tibet: Teil 1 - Yecheng bis Zhada

12. 9. 2007 - 15. 9. 2007
Impressionen aus Yecheng









Von Yecheng aus geht es endlich mit dem tibetischen Fuehrer und seinem Fahrer, auch mit Landcruiser (J 80, Benziner), am 12. September Richtung Tibet. Bisher halten wir uns naemlich in der autonomen Region Uigurien auf, die mit der chinesischen Regierung auch ihre Probleme hat und fuer die auch Permits benoetigt werden.
Unser chinesisches “Nummernschild” klemmt sichtbar an der Windschutzscheibe, der chinesische Fuehrerschein beim Reisepass, griffbereit fuer die verschiedenen Checkpoints, und die Tanks voll Diesel der Qualitaet "0", was fuer die zu erwartenden Temperaturen in Ordnung sein soll (es gibt noch –10 und –20 fuer die Winterperiode).
Gleich der erste Tag sieht uns bei klarem Wetter zunaechst auf gutem Teer, der aber bald in eine Schotterpiste uebergeht, bis auf 4950 m hinaufschnaufen.

Der Pass begruesst uns dort mit Neuschnee. Das Auto qualmt, faehrt aber brav, und wir haben das Gefuehl, leicht beschwippst zu sein und schnappen alle paar Atemzuege nach Sauerstoff, der hier doch recht knapp ist. Auf dieser Strecke treffen wir auch die ersten Radfahrer, von denen einige schon monatelang unterwegs sind, und andere, die nach Kashgar flogen und von dort losradelten!
Der Abstieg fuehrt nach Mazha, auf der Karte als Ort eingezeichnet, eine Strassengabelung mit verschiedenen Huetten aus Lehm und Wellblech, durch die der Wind den Staub (und anderes) wirbelt. Linker Hand geht es weiter nach Tibet, rechter Hand zum Punjerabpass auf dem Karakorum-Highway.



Wir ziehen den Kopf ein, um in unser Guesthouse zu kommen, stehen in einem kleinem Raum, der Wohnzimmer und Gastraum gleichzeitig ist, gefolgt von zwei Betten links und rechts (fuer die Gastfamilie) hinter einem Vohang, und dann kommt der Gastschlafraum, in dem auch die Vorraete, sowie Nudelproduktion zu finden sind. Nach leckerem Tofu mit Gemuese rollen wir unsere Schlafsaecke aus, Norbu und und sein Fahrer Tundru schlafen in ihrem Auto, und wir verbringen eine recht ruhige Nacht.

Die naechsten Tage vergehen wie im Fluge. Enge Bergtaeler wechseln mit weiten Hochebenen, die an die Steppen Afrikas erinnern, waeren da nicht die schneebedeckten Berge im Hintergrund.




Norbu bereitet Buttertee



Tibet empfaengt uns mit gruenen Berghaengen und Yaks, azurblauem Himmel und Schneegraupelschauern auf Paessen, Flussdurchfahrten und Eis auf den kleinen Gewaessern am morgen, bis mittags 18 Grad und brennende Sonne.
Tibetantilopen, Murmel und Pfeifhasen, Hummeln bis 4800 m. Himalaya-Streifen-Gaense und Watvoegel (wie im Wattenmeer) auf dem Rutok-See, sowie Schwarzhalskraniche in den Sumpfgebieten auch auf dieser Hoehe.

Zum versunkenen Koenigreich Guge (16. - 17. 9. 2007)
Der Abzweig nach Zhada biegt 70 km hinter Ali nach Sueden und ueberrascht uns mit zwei wunderschoenen Paessen. Zunaechst weite Serpentinen an gut ueberblickbarem Hang, Schaf- und Yakherden mit ihren freundlichen, froehlichen Hirten, immer hoeher mit einem erstem Gefuehl vom Dach der Welt auf 5300 m. Kleiner Abstieg, und schon geht es noch einmal hoch, diesmal eng und sehr steil, man mag kaum nach unten sehen; kaum hat man ausgesetzte Serpentinen bewaeltigt, warten tiefgruendige Schlammpassagen ... das Auto bewegt sich wie eine Dschunke bei schwerer See und die Blattfedern klingen auch so …


Oben auf dem Pass (5400 m) flattern die Gebetsfahnen im eiskalten Wind, sodass wir trotz Pausebeduerfnis den Absteig beginnen.
Auf diesem schmalen Track kommen uns dann auch CHINA POST und andere kleinere LKW entgegen, man glaubt es kaum!



Tundru beim chinesischen Junk
Beim Picknick auf einer Hochebene werden wir, nicht zum letzten Mal, von begeisterten chinesischen Touristen fotografiert, die dort mit ihrem Guide (natuerlich im Landcruiser) unterwegs sind.
Auch auf dieser Off-Road-Strecke sind Tibeter dabei, die Regenschaeden mit Schaufeln zu beheben. Wir bedanken uns mit Gruessen und Winken, und freuen uns wieder ueber die strahlenden Gesichter, die hier oft schon schwer durch die harten Lebens- und Arbeitsbedingungen gezeichnet sind.
Zhada liegt "nur" auf 3700 m, und in diesem Tal ist es richtig warm, die Spatzen zwitschern in den sich schon verfaerbenden Pappeln. Das Gaestehaus bietet richtig angenehme Betten und heisses Wasser aus grossen Thermoskannen und einen Waschschuesselstand, was nach der Staubpiste gut ankommt.
Mit unserem Guide sind wir dann in einem tibetischen “Wohnzimmer”, so gemuetlich kommt uns der kleine Gastraum nach den chinesischen MITROPA-Plaetzen vor, und werden gebuehrend, aber zurueckhaltend bestaunt. Bei solchen Gelegenheiten ist es gut moeglich, mit Norbu ueber die vergangenen und jetzigen Zeiten zu sprechen, und seine ruhige, gelassene Offenheit noetigen uns immer wieder Achtung und Respekt ab.
Hier besichtigen wir die ersten alten tibetischen Palaeste und Kloster, bzw. was davon uebrig geblieben ist (s. Koenigreich Guge), und treffen auf schweizerische, aber auch auf chinesische Restaurateure.


Die Rueckfahrt zur grossen Strasse wartet neben weiteren Paessen - wieder Offroad-Spass vom Feinsten - zirpenden Heuschrecken, vielen kleinen bluehenden Pflanzen und Wadi Rum Landschaft mit dem ersten Rundblick Richtung Himalayakette auf, und wir sind ganz sprachlos vor diesen Riesen zu stehen, obwohl die noch mindestens 100 km Luftlinie weg sind!


Unser Guide steuert zur Mittagszeit ein Nomadenzelt an, dass sich als nette kleine Teestube erweist und suessen Milchtee anbietet! Ein Solarpaneel fuer Licht ist auch vorhanden und hier die Regel, genau wie die Solarkocher.